Jubiläum | Die Stadtzeitung im Osten

Jubiläum | Die Stadtzeitung im Osten

Die Rocker von Jive: Mit ihnen ging es für die Stadtzeitung in den wilden Osten.

 

Es war wohl die wahre Geburtsstunde des Veranstaltungsservice. Frühjahr 1990, unmittelbar nach der Wende, Leipzig:

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Peter Kittel und seine Crew hatten bereits so manche Veranstaltung ausgerichtet, Feste auf die Beine stellen, das konnten Kittel & Co. eben. Also war klar, dass die Stadtzeitungsmannschaft 1990 sofort zusagte, als sie von einem Disco-Unternehmer aus München gefragt wurde, ob sie ein Rockfest organisieren könnte. Um den Veranstaltungsort müsste sie sich nicht kümmern, es ginge alleine um den künstlerischen Teil. Gegen Hotel und fette Gage. Das ganze Unternehmen roch nach Abenteuer: Der Verleger hatte einen uralten VW-Bus, da gingen seine alten Kumpels von der damals angesagten Rockformation „Jive“ und deren Ausrüstung kommod hinein. Wo das Ganze stattfinden sollte? Im wilden und gerade nicht mehr fernen Osten – in Leipzig. Denn gerade war die Mauer gefallen.

Die fremde Kultur des Ostens

Die Gesandtschaft aus dem Westen kam an. Und schaute doof. Denn der Ausrichter hatte ein Riesenzelt aufgestellt. Für 2.000 Besucher. Was er nicht berücksichtigt hatte: Am selben Tag war Jugendweihe, wenige Monate nach der Wende noch immer der wichtigste Festtag der DDR-Jugend. Also verloren sich nur 50 Leute im Publikum. „Jive“ spielte, und nicht mal schlecht, aber rechte Stimmung wollte nicht aufkommen. Das Zelt war zu leer, das kleine Grüppchen Zuhörer wirkte verloren. Doch das war nicht das einzige überraschende Moment der Reise.

Im Hotel angekommen, hungerte die Combo. Sie fragten, ob sie noch etwas zu essen bekommen könnten. Das ginge wohl, beschied sie die Hausdame, was ihrem Gaumen so vorschwebe? „Vielleicht asiatisch“, meinte der eine. „Das können wir machen.“ Oder doch bürgerlich? Geht auch. Italienisch? Alles kein Problem. Nur festlegen sollten sich die Gäste halt. Wegen der Brigade, die geweckt werden müsse.

Brigade? „Ja“, sagte die Hausdame. „Wir sind Ausbildungsbetrieb und haben verschiedene Küchenbrigaden. Die eine macht chinesische Küche, die andere ungarische, die dritte bürgerliche …“

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Und da war auch die Sache mit den Duschen. Die befanden sich im Keller, kein Problem. Eher schon die Gruppe Putzfrauen, die die Gäste empfing. Auf was die warteten? Darauf, ihre Arbeit zu tun. Denn an allen Waschbecken waren Siphons und Abflüsse defekt oder fehlten einfach ganz. Alles lief von den Becken direkt auf den Boden. Die Putzfrauen schrubbten die Soße nach den „Waschgängen“ mit stoischer Ruhe wieder weg.

Nach solchen Erlebnissen war die Tatkraft der Stadtzeitungsleute durch nichts mehr zu erschüttern. Es folgten Firmenfeste, die man so nebenher für Kunden organisierte, das Stadtparkfest zum zehnjährigen Jubiläum – und die Gründung des Veranstaltungsservice Regensburg Peter Kittel. Was die Crew noch nicht ahnte: Damals knüpfte sie Kontakte, die Jahrzehnte später Gold wert sein sollten, als Peter Kittel den Papstbesuch im Eichsfeld organisierte. Doch das ist eine andere Geschichte … (ssm)

 


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