
Flächenfraß in Regensburg | Baumkiller „Sportpark Ost“?
Der neue „Sportpark Ost“ entsteht. Zu welchem Preis?
Auf einem ehemaligen Kasernenareal sollen Sportflächen, eine Leichtathletikhalle und ein Hallenbad entstehen. Für den künftigen „Sportpark Ost“ lässt die Stadt das Gelände der früheren Prinz-Leopold-Kaserne roden. In Zeiten des fortschreitenden Klimawandels sollte es zu so einem Anblick eigentlich nicht kommen. War das nicht zu verhindern? Wie will die Stadt diesen Verlust kompensieren? Wir haben nachgefragt.
Biotop bleibt erhalten
Konnten die Bäume nicht in das Bauprojekt integriert werden? Die Pressestelle der Stadt antwortet: „Der für das Gebäude erforderliche Flächenbedarf bedingt die Fällung von bestehenden Gehölzstrukturen. Von den betroffenen Baumstrukturen im Bebauungsplan-Umgriff kommt allenfalls ein geringer Anteil auf den Flächen des zukünftigen Sportpark Ost – Hallenbad & LAH zu liegen. Der weit überwiegende Teil befindet sich außerhalb des SPO-Bauraums. Insgesamt verfolgt der Bebauungsplan einige großflächige Strukturen: Hallenbad, LAH mit innenliegender 400m-Rundbahn sowie Fußball- und Bolzplätze. Diese Flächenbedarfe können nur eingeschränkt an bestehenden Baumstandorten ausgerichtet werden. Das schutzwürdige Biotop wurde in die Planungen integriert und bleibt erhalten.“
Kahlschlag auf Kasernengelände – wie will man das wieder gutmachen?
© privat
Die amtlich kartierten Biotope „R-1337-001“ (li.) und „R-1337-003“ (hinten) bleiben von den Bauarbeiten verschont.
© Lukas N. Wuttke
101 Bäume gefällt
Wir fragen: Wie viele Bäume wurden genau gefällt und um welche Art von Bäumen handelte es sich? Die Stadt schreibt: „Insgesamt gehen von den im März 2018 aufgemessenen Bestandsbäumen max. 89 Laubbäume und max. 12 Nadelbäume (max. 101 Bäume) verloren. Ca. 49 dieser aufgemessenen Laubbäume stehen am Gebäude 2 und werden als (Baum-)Hecke und nicht als Einzelbaum bilanziert. Durch die Planung gehen drei Biotope verloren – zwei Kanada-Pappeln durch den Bau der Leichtathletikhalle sowie das mesophile Gebüsch im Bereich des kleineren Spielfeldes (Tf. 002, Biotop R-1337). Die beiden Kanada-Pappeln sind bei den Einzelbäumen bereits mitbilanziert worden und das mesophile Gebüsch entspricht den ca. 49 Gehölzen, die nicht als Einzelbäume bilanziert werden. Die weiteren Biotope, die sich im Plangebiet befinden, bleiben von der Planung unberührt.“
Mehr Grünfläche als vorher?
Wie aber will die Stadt Regensburg den Verlust dieser Bäume ausgleichen? Die Stadt gibt an, für die max. 101 Bäume würden ca. 118 Bäume neu gepflanzt. Die Baumschutzverordnung sei im Zusammenhang mit der Eingriffs-Ausgleichsbilanzierung abgearbeitet worden. Die Eingriffs- und Ausgleichsbilanzierung erfolge gemäß dem Leitfaden „Bauen im Einklang mit Natur und Landschaft“ des Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen. Der Ausgleich für den im Plangebiet erfolgenden Eingriff könne vollständig innerhalb des Gebiets geleistet werden. Insgesamt gebe es aus naturschutzfachlicher Sicht keine Einwände gegen den vorgelegten Umweltbericht. Außerdem werde durch die geplanten Nutzungen ein Großteil des ehemals stark versiegelten Areals entsiegelt. Im Rahmen der Ermittlung des Ausgleichsflächenbedarfs und des Ausgleichsflächennachweises sei sogar ein Ausgleichsflächenplus festgestellt worden.
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Bund Naturschutz segnet das Projekt ab
Wir wenden uns an den Bund Naturschutz. Raimund Schoberer, der Vorsitzende der Kreisgruppe Regensburg, ist ganz gelassen und sagt: „Auf der Fläche der Prinz-Leopold-Kaserne gab es zwar ein paar größere Bäume, aber bei der Einsicht in den Bebauungsplan hatten wir als Bund Naturschutz das Gefühl, dass diese Fläche mehr ent- als versiegelt wird. Deshalb haben wir keine Veranlassung gesehen, zu diesem Thema öffentlich Stellung zu beziehen. Im Gesamtkontext sehen wir dort eher einen grünen Zugewinn.“

Setzt endlich Umdenken bei der Stadt ein?
Das Projekt „Sportpark Ost“ scheint den anderen Projekten der Stadt diametral entgegengesetzt zu sein. Statt zu versiegeln, entsiegelt die Stadt – bravo! Die energische und engagierte Handschrift von Umweltbürgermeister Ludwig Artinger wird immer spürbarer. Auch wenn kleinere Biotope verloren gehen, integriert man ein größeres Biotop in den Bauplan des neuen Sportparks. Um jeden Baum kämpfen – das sollte die neue Norm werden. Wir bleiben den Ökosündern auf den Fersen. (lnw)
101 Bäume wurden hier gefällt.
© privat
Um jeden Baum kämpfen – das sollte die neue Norm werden.
© Lukas N. Wuttke
Zu Teil I der Serie „Flächenfraß in Regensburg“: „Containerdepot der Bahn sorgt für Protest“
Zu Teil III der Serie „Flächenfraß in Regensburg“: „Ist zerstörte Natur zu ersetzen?“
Die „Nachgefragt“-Reihe
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- gepostet am: Freitag, 23. September 2022