Jubiläum | Derblecken à la Regensburg

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20 Mal gab es die Maiandacht, dann überholte die Realität die Satire.

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Sie war ein gesellschaftliches Top-Ereignis, wer dazu eingeladen wurde, gehörte zum politischen Leben Regensburgs dazu. Zur „Politischen Maiandacht mit Levitenlesung und anschließender Generalabsolution“ kamen Schwarze, Grüne, Liberale, Freie und immer wieder auch ein einzelner Roter: Nachdem sich die meisten SPDler von der der satirischen Betrachtung der Lokalpolitik in Form eines Politiker-Derbleckens, angelehnt an den Münchner Nockherberg, tatsächlich auf den Schlips getreten fühlten und diese Kritik offenbar nicht zu dulden vermochten, wandten sie sich beleidigt ab. „Feigheit vor dem Spott“ kommentierte Stadtzeitungsverleger Peter Kittel. Nur Stadtrat Hans Holler schloss sich dem Leberwurstgehabe seiner Genossen nicht an und kam regelmäßig zum Kultereignis.

1996 hatte Kittel die Veranstaltung ins Leben gerufen, genau 20 Mal fand sie statt. Dabei gab es anfangs nur die Levitenlesung, später zusätzlich ein Singspiel mit den „Doppelgängern“ Regensburger Politiker. Die pointierten Reden wurden in den ersten Jahren von der damaligen Regensburger Klatschkolumnistin Marianne Beckmann in der Figur der „Schwester Oberin Marianne“, später von Kult-Kabarettist Wolfgang Krebs in der Rolle von „Edmund Stoiber“ vorgetragen. Geschrieben wurden die Rede und das Singspiel von Kittel selbst, der auch Regie führte.

Dabei wäre alles fast schon mit der Premiere vorbei gewesen. Marianne Beckmann, die als Wirtin der Hubertushöhe auch den Veranstaltungsort stellte, war als Schwester Oberin gänzlich unvorbereitet ans Rednerpult gegangen und verhaute eine Pointe nach der anderen. Kittel war sauer. Die ganze Arbeit umsonst. „Einmal und nie wieder!“, presste er schmallippig seinem feixenden Tischnachbarn, dem damaligen Kulturreferenten Prof. Greipl als erstes Statement zu.

Doch es kam anders: Norbert Hartl, SPD-Fraktionschef und Kittel-Intimfeind, hatte eine der wenigen nicht versemmelten Pointen offensichtlich getroffen. Mit hochrotem Kopf stürmte er zum Ausgang, brüllte etwas von diesem „unverschämten Kittel“ und sorgte so dafür, dass die Maiandacht am Leben blieb ...

Denn Hartls Wutausbruch war wie Balsam auf Kittels wunde Künstlerseele. „Und da dachte ich mir: Wenn der Hartl sich so aufführt, dann hat es sich ja doch gelohnt! Und ich beschloss weiterzumachen.“

11 Das Ensemble, Die Romantik: Unmittelbar nach der Maiandacht 2014 überraschte Mistol-Darsteller Konrad Berndanner seine Katharina mit einem Heiratsantrag – und sie sagte natürlich ja!

Zum Glück! Denn die Veranstaltung wurde zum Kult-Ereignis! Sie wurde stets in einem Livemitschnitt von TVA aufgezeichnet, die Ausstrahlung zum Straßenfeger. Doch 2016 war dann Schluss. Eine Neuauflage lehnte Kittel mit Hinweis auf die Korruptionsaffäre um den Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs ab. Die Realität sei zu krass für Satire: „Der sogenannte Wolbergsskandal offenbart einen so umfassenden, unglaublichen, und vor allem so vollkommen moralbefreiten Umgang mit politischer Macht, dass mir eine Überhöhung oder gar Karikatur der Ereignisse mit satirischen Mitteln als nicht möglich erscheint“, so Kittel damals gegenüber den Medien. Zudem sei alles ja eine menschliche Tragödie und die sei „kein guter Stoff für ein Schauspiel, das ja letztlich sein Publikum erheitern und keinesfalls einen am Boden Liegenden noch mehr der Häme und dem Spott der Öffentlichkeit ausliefern soll“.

Höhepunkte der Maiandachten sind aber noch heute in der Mediathek des Fernsehsenders TVA zu sehen. In den letzten Tagen vor Drucklegung verdichtete sich aber das Gerücht, dass es 2020 eine Spezial-Neuauflage der Maiandacht geben könnte, wenn sich erstmal der Pulverdampf um die juristischen Gefechte rund um die sog. Korruptionsaffäre etwas gelichtet hat ... (ssm)

 


Die „Nachgefragt“-Reihe

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