Nachgefragt | Ausländerkriminalität in Regensburg

Nachgefragt | Ausländerkriminalität in Regensburg

Ausländerkriminalität in Regensburg – was sagen die Zahlen? (Symbolfoto)


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Fakt oder Vorurteil? – Ausländer verüben mehr Straftaten als Deutsche. Die einen haben Angst vor der Kriminalität Nichtdeutscher und die anderen zeigen sich blind für ebendiese. Aber wie sieht die Realität aus? Welche Gründe gibt es dafür? Wie steht es um Regensburg? Wir haben nachgefragt.

Der Regensburger Knast

Die Justizvollzugsanstalt in der Friedrich-Niedermayer-Str. (ehemalige Ladehofstraße, siehe RSZ: „Wer benennt unsere Straßen um?“, 07.04.2023) ist im Frauenvollzug für die Landgerichtsbezirke Regensburg, Weiden, Amberg, Landshut, Deggendorf und Passau zuständig und im Männervollzug für den Landgerichtsbezirk Regensburg. Wir wollen wissen, wie viele deutsche und ausländische Insassen im Jahr 2022 dort untergebracht wurden. Die Leitung der JVA gibt uns Zahlen: 100 deutsche Frauen, 76 ausländische; 370 deutsche Männer, 300 ausländische. Das Verhältnis von Deutschen zu Ausländern ist in etwa 55/45. Setzt man diese Zahlen zu den Bevölkerungszahlen der entsprechenden Landgerichtsbezirke in Relation, kommt man zu einem stärkeren Ergebnis: 0,0087 % der weiblichen deutschen Bevölkerung und 0,0533 % der weiblichen ausländischen Bevölkerung saßen 2022 in der JVA ein. Das sind prozentual gesehen etwa 6 Mal so viele ausländische Frauen wie deutsche. Bei den Männern waren es 0,1130 % der deutschen Bevölkerung und 0,6056 % der ausländischen Bevölkerung. Das sind etwa 5 Mal so viele ausländische Männer.

 

Verhältnis Insassen/Bevölkerung – Justizvollzugsanstalt (JVA) Regensburg 2022

 Frauen  Bevölkerung  Insassen
 Deutsche  1.143.708  100  0,0087 %
 Ausländer  142.509  76  0,0533 %
Landgerichtsbezirke Regensburg, Weiden, Amberg, Landshut, Deggendorf und Passau

 

 Männer Bevölkerung Insassen 
 Deutsche  327.362  370  0,1130 %
 Ausländer  49.539  300  0,6056 %
Landgerichtsbezirk Regensburg
Quellen: Bayerisches Landesamt für Statistik, JVA Regensburg | Stand: 03/2023

 

Sind die Zahlen zuverlässig?

Das klingt krass. Jedoch wird die Statistik durch die in Untersuchungshaft sitzenden Insassen verfälscht, die nicht herausgefiltert werden können. Interpretationsschwierigkeiten ergeben sich außerdem dadurch, dass der Begriff „Ausländer“ keine homogene Gruppe bezeichnet und sich somit keine Rückschlüsse auf irgendwelche Gruppen ziehen lassen. Insassen sind Individuen; gerade einmal 0,05–0,1 % der jeweiligen ausländischen Bevölkerung.

Straftaten in Regensburg

Einen besseren Überblick über die Kriminalität als es die Insassenzahl tut, gibt die Gesamtzahl der Straftaten in Regensburg. Laut Zahlen der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberpfalz und des Landesamtes für Statistik kamen 2022 in Regensburg auf 125.964 Deutsche 3.398 Straftaten (2,70 %) und auf 28.892 Ausländer 2.018 Straftaten (6,98 %) – also werden grob 2,5 Mal mehr Straftaten von Ausländern begangen. Als einen Raum verstärkter Kriminalität gibt das Polizeipräsidium Oberpfalz den Hauptbahnhof an. Man begegne dem Problem z.B. mit „Schwerpunkteinsätzen im Bahnhofsbereich, Videoüberwachung, verstärkter Bestreifung (uniformiert und zivil) und Bestreifung durch die Sicherheitswacht. Darüber hinaus gibt es eine enge Zusammenarbeit mit der Bundespolizei und der Stadt Regensburg, die auch in ihrer Zuständigkeit eigene Maßnahmen ergreifen.“

 

Verhältnis Straftaten/Bevölkerung – ohne AufenthG – Stadt Regensburg 2022

   Bevölkerung Straftaten   
 Deutsche  125.964 3.398  2,70 % 
 Ausländer  28.892 2.018  6,98 % 
Quellen: Bayerisches Landesamt für Statistik, Polizeipräsidium Oberpfalz | Stand: 03/2023

 

Methodische Probleme

Der direkte Vergleich von deutschen und ausländischen Straftätern ist nicht uneingeschränkt möglich. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) schreibt: „Irreführend in der Kriminalstatistik ist […] die fehlende Unterscheidung zwischen Ausländern, die zur Wohnbevölkerung in Deutschland gehören […], und illegalen, durchreisenden, vorübergehend in Deutschland lebenden Personen.“ Somit sind keine Rückschlüsse auf die in Deutschland lebenden Ausländer möglich. Außerdem geraten Ausländer laut bpb schneller unter Verdacht („Tatverdachteffekt“) und werden eher angezeigt als Deutsche („Anzeigeefekt“) – die Dunkelziffer deutscher Straftäter ist somit höher als die ausländischer Straftäter. Weiter verzerrt wird die Statistik durch den Vergleich der Gesamtbevölkerung mit einzelnen Straftaten statt mit Straftätern. Delikte gegen das Aufenthaltsgesetz, die prinzipiell nur von Ausländern begangen werden können, sind hingegen aus der Statistik herausgefiltert.

Sind Ausländer krimineller?

Sieht man von den methodischen Problemen ab, verüben, prozentual gesehen, zwei- bis dreimal mehr Ausländer als Deutsche Straftaten in Regensburg. Ein Ergebnis von fehlendem Respekt gegenüber der deutschen Justiz und den deutschen Strafverfolgungsbehörden? Oder eher ein Ergebnis von schlechter Integration und niedrigem sozialen Status? Eine Untersuchung der Kriminalstatistik von seit mindestens zwei Generationen in Deutschland lebenden, voll integrierten Migranten, dürfte anders ausfallen. Fakt ist: Kriminalität ist schlecht. Schlecht wäre aber auch, die überwältigende Mehrheit von Ausländern für die Straftaten einer Minderheit mitverantwortlich zu machen. Es gibt Probleme, keine Frage. Zur Lösung ist ein offener Diskurs notwendig. Was denkt Regensburg? Meinungen an die rsz@regensburger-stadtzeitung.de. Wir werden berichten. (lnw)

 


 

Zum Artikel „Knapp 280.000 ausreisepflichtige Migranten in Deutschland – was kosten die eigentlich?“ 

 


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