
Nachgefragt | Schmierer-Welterbestadt Regensburg?
„SSV Jahn“ oder „Hammer und Sichel“ – welche Motive haben die Schmierer?
Kriminalität nimmt zu
Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Zahl der Tatverdächtigen in Regensburg gestiegen. Die Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberpfalz gibt für das Jahr 2022 7.760 Tatverdächtige an, für 2021 5.568, für 2020 5.656 und für 2019 5.926.
Die Zahl der illegalen Schmierereien nimmt zu. Oben: 2022. Unten: 2023.
© Lukas N. Wuttke
Schmierereien überall
Lässt sich dieser Negativtrend auf illegale Graffiti im öffentlichen Raum übertragen? Das Polizeipräsidium Oberpfalz gibt an: 2022 gab es 271 neue Graffiti mit einer Aufklärungsrate von 6,3 %, 2021 waren es 129 Stück mit einer Aufklärungsquote von 24,8 % (2020: 192 Stk., 13,5 % AQ; 2019: 127 Stk., 22,8 % AQ). Die Schmierereien nehmen immer weiter zu. Und die Schmierer kommen meist ungestraft davon. Darunter leidet Regensburg als Weltkulturerbestadt, von den volkswirtschaftlichen Schäden ganz zu schweigen. Wie hoch der entstandene Schaden ist, kann uns das Polizeipräsidium nicht sagen: „Hierzu können wir keine Angaben machen, da der Rechercheaufwand enorm wäre. Hinzu kommt, dass beispielsweise oftmals mehrere Graffitis an einer Wand angebracht werden, der Schaden jedoch bei jeder Tat einzeln geschätzt wird.“
Politische Parolen auf dem Neupfarrplatz.
© Lukas N. Wuttke
„Der Frieden ist rot“
Die neuesten illegalen Graffiti sind die großen Schriftzüge „Der Frieden ist rot“ und „Revolutionen beenden Kriege“, die laut Polizei mutmaßlich den Ukrainekrieg thematisieren. Der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz schreibt auf Anfrage: „ In diesem Zusammenhang wurden insgesamt vier Schriftzüge bekannt, die in den frühen Morgenstunden des 10. April 2023 entstanden sind. Die Polizei geht von einem Tatzusammenhang aus. Die Schriftzüge werden in Teilen der linken Szene, etwa von der Freien Deutschen Jugend, verwendet.“ Bisher konnte noch kein Verdächtiger ermittelt werden. Der Sachschaden werde auf mehrere tausend Euro geschätzt.
In der Gesandtenstraße wird eine der „Der Frieden ist rot“-Schmierereien überdeckt. Und das kostet.
© Lukas N. Wuttke
Wer sind die Schmierer?
Die Schmierer scheinen überwiegend linksradikales Gedankengut zu verbreiten. Immer wieder finden sich Schriftzüge der Splittergruppe Antifa, einer Art linksradikaler Schläger- und Pöbeltruppe ganz nach dem Vorbild der nationalsozialistischen SA. Wie sieht das die Polizei? Man gibt uns allgemeine Auskunft: „Politische Motivationen sind in diesem Deliktsbereich sehr vielfältig und abhängig von aktuellen politischen Geschehnissen. So waren während den Einschränkungen der Corona-Pandemie zahlreiche Graffitis mit Bezug hierzu feststellen, während etwa in Zeiten von Wahlkämpfen vermehrt Schriftzüge oder Zeichen auf Wahlplakaten angezeigt werden.“
Verschandelung denkmalgeschützter Gebäude. Wird Neupfarrplatz zum Angstraum?
© Lukas N. Wuttke
Ist die Polizei überfordert?
Die zunehmenden Zahlen sind alarmierend. Gleichzeitig schafft es die Polizei immer weniger, dem vandalistischen Schmierproblem Einhalt zu gebieten. Für eine Weltkulturerbestadt, deren Kulturerbe beschmiert wird, ein Fiasko. Mittlerweile steht eine private Initiative (Name der Redaktion bekannt) in den Startlöchern, die ein Kopfgeld zur Ergreifung von Schmierern auslobt. Denunziantentum als Lösung des Regensburger Problems? Wir werden berichten. (lnw)
Die „Nachgefragt“-Reihe
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- gepostet am: Dienstag, 02. Mai 2023