Nachgefragt | Ohne sie müssten im Theater alle stehen

Nachgefragt | Ohne sie müssten im Theater alle stehen

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Der Bazillus erfasste Ursula Michalke, da war sie vier Jahre alt. „Die Mama hat ein Baby gekriegt und deshalb hat sie nicht gekonnt“, erinnert sie sich genau an jenen Schicksalstag 1964. Da hat der Papa, als Kunstmaler selbst den schönen Dingen des Lebens zugetan und mit dem Intendanten des Stadttheaters befreundet, die kleine Uschi eben mit in die Oper genommen. Den „Troubadour“ haben sie damals gegeben, über 50 Jahre später ist der noch immer eine von zwei Lieblingsopern von Ursula Michalke (die andere stammt auch von Verdi, „La Traviata“). Denn seit dem Troubadour hat sie das Theater nie mehr losgelassen, heute steht sie im elften Jahr den Theaterfreunden Regensburg e. V. vor.

„Musis faventibus“, der Kunst zugetan, so steht es in Großbuchstaben über dem Theater am Bismarckplatz. Und der Kunst zugetan sind auch die Theaterfreunde, 450 bis 500 gibt es von ihnen. Mit ihrer Mitgliedschaft im Verein (kostet 70 Euro im Jahr für Paare, verheiratet wie unverheiratet, gemischt wie gleichgeschlechtlich, und 40 Euro für Singles) unterstützen sie seit 1989 das Theater. Rund 600.000 Euro haben sie  in den letzten drei Jahrzehnten zur Verfügung gestellt.

  • Der scheidende Vorstand der Theaterfreunde mit ihrer Vorsitzenden Ursula Michalke (untere Reihe, 2. v. re.).

    Der scheidende Vorstand der Theaterfreunde mit ihrer Vorsitzenden Ursula Michalke (untere Reihe, 2. v. re.).

  • In die 2011 gegründete Stiftung „Unser Theater“ zahlten die Theaterfreunde 65.000 Euro ein. Auf dem Bild übergibt Vorsitzende Ursula Michalke den Geldschatz an den damaligen Intendanten Ernö Weil.

    In die 2011 gegründete Stiftung „Unser Theater“ zahlten die Theaterfreunde 65.000 Euro ein. Auf dem Bild übergibt Vorsitzende Ursula Michalke den Geldschatz an den damaligen Intendanten Ernö Weil.

  • Theaterfreunde-Chefin Ursula Michalke mit Theater-Chef Jens Neundorf von Enzberg.

    Theaterfreunde-Chefin Ursula Michalke mit Theater-Chef Jens Neundorf von Enzberg.

  • Zum 25. Geburtstag der Theaterfreunde 2014 kam auch die frühere Intendantin Marietheres List, die 2018 mit 72 Jahren starb.

    Zum 25. Geburtstag der Theaterfreunde 2014 kam auch die frühere Intendantin Marietheres List, die 2018 mit 72 Jahren starb.

    Damit sollen unter anderem Kontakte zwischen den Künstlern und dem Publikum gepflegt, aber auch ungewöhnliche Projekte verwirklicht werden können. „Wir laden die Künstler nach unseren Matinéen immer wieder zum Essen ein“, sagt Michalke, im Brotberuf Leiterin des Bürgerbüros Mitte. Das gebe es in ganz Deutschland sonst nirgendwo. „Am Theater arbeiten 328 Menschen aus 28 Nationen. Das gilt es zu unterstützen.“  Etwa auch dadurch, dass internationale Künstler einen Deutschkurs spendiert bekommen.

    So entstehen Freundschaften. Michalke: „Auch wenn die Künstler wieder gehen, tragen sie ein Stück Regensburg in ihren Herzen und kehren gerne zurück.“

    Plácido Domingo staunte

    Israel Gursky, in Tel Aviv geborener und mittlerweile in Bremen engagierter früherer Zweiter Kapellmeister in Regensburg (2014 bis 2017) hatte die Theaterfreunde sehr ins Herz geschlossen. Als er bei den Schlossfestspielen bei Plácido Domingos Auftritt dirigiert hatte, rief er nach dem Konzert den Tenor von Weltruf zu sich.

    Mit den Worten „Plácido, das ist Uschi. Sie ist das Maß aller Dinge“, stellte er dem Spanier die Chefin der Theaterfreunde vor – und schwärmte von der Herzlichkeit des Vereins. Und der Plácido – er staunte. „Die Künstler und wir“, sagt Michalke, „wir sind einfach eine große Familie.“ Und das ist nicht nur so dahingesagt: Michalke ist Patentante des Sohnes von Omar Andrés Jara, dem Tenor, der mittlerweile am Gran Teatro del Liceo in Barcelona singt.

    Nach dem Förderpreis kam der Ruhm

    Die Theaterfreunde sind der größte Kulturförderverein zwischen Prag, Nürnberg und München. Ihre höchste Fördersumme ging 1994 an das große Haus, als das 1804 von Kurfürst Carl Theodor von Dalberg gegründete und 1849 abgebrannte Theater umgebaut wurde und die Theaterfreunde eine Viertelmillion Euro für die Bestuhlung locker machten. 2007 waren es nochmal 50.000 Euro für die Bestuhlung des Theaters am Haidplatz.

    Die Theaterfreunde verleihen jährlich den mit 1.000 Euro dotierten Förderpreis (ging u. a. an die große Schauspielerin Renate Hünlich, an Schauspieler Michael Heuberger, die berühmte Opernsängerin Sally du Randt, den Dirigenten Rudolf Piehlmayer, der in Regensburg begann und Weltruhm erlangen sollte), sie veranstalten Konzerte, Vorträge, Lesungen, den Künstlerball und regelmäßige Stammtische.

    Besonders das Junge Theater wird gefördert

    Für das Junge Theater wurde 2014 eine mobile Tribüne angeschafft, seit 2008 wurden die dortigen Produktionen mit insgesamt 50.000 Euro gefördert. Auch für die Spielzeit 2019/2020 sollen wieder 5.000 Euro für zwei Uraufführungen ans Junge Theater fließen. „Die Jungen sind die Zukunft des Theaters, sie müssen wir an die Bühnen heranführen und begeistern“, weiß Michalke. Deshalb ist sie auch froh, dass es noch immer Stehplätze im Theater gibt. „Die kosten 6 Euro, ich bin mir mit dem Intendanten einig, dass die bleiben sollen.“ Die 58-Jährige freut es, dass die Vorstellungen des Jungen Theaters oft genug ausverkauft sind.

    • Das Stadttheater am Bismarckplatz.

      Das Stadttheater am Bismarckplatz.

    • Beim Künstlerball 2018 überreichte der Förderverein einen Scheck über 10.000 Euro an das Junge Theater.

      Beim Künstlerball 2018 überreichte der Förderverein einen Scheck über 10.000 Euro an das Junge Theater.

    • Ursula Michalke engagiert sich auch im Verein „Deutsche Hospitalité Notre Dame de Lourdes“, der den Empfang und das Geleit der Pilger in Lourdes organisiert.

      Ursula Michalke engagiert sich auch im Verein „Deutsche Hospitalité Notre Dame de Lourdes“, der den Empfang und das Geleit der Pilger in Lourdes organisiert.

      Michalke selbst besucht rund 100 Mal im Jahr Aufführungen. „Ich habe damals mein Schülerabo abgeschlossen und seither nie aufgehört, ins Theater zu gehen.“ Mit ihren Mitstreitern unternimmt sie auch immer wieder Reisen etwa zum Gärtnerplatztheater in München, nach Berlin oder nach Graz. In Regensburg hat sie ihre eigene Loge. „Die Nummer 11, rechts im 1. Rang.“ Von dort aus sieht sie jede Premiere. Und neben den geliebten Verdi-Opern gerne auch Wagner.

      Fördern statt fordern

      Seit ihrem Bestehen hatten die Theaterfreunde zu allen bisherigen Intendanten – Marie-Theres List, Ernö Weil und Jens Neundorff zu Enzberg – ein gutes Verhältnis. „Wir haben uns mit allen blendend verstanden“, sagt Michalke. Was sicher auch daran liegt, dass sich die Theaterfreunde nie in Produktionen eingemischt haben. „Wir wissen, dass manches nicht unumstritten ist. Doch bei der Personalpolitik oder beim Spielplan haben wir nie irgendjemand dreinreden wollen. Unsere Devise lautet ‚Fördern statt Fordern‘, wir wollen unterstützen, nicht meckern.“

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      Festkonzert zum 30. Geburtstag

      Heuer feiern die Theaterfreunde ihr 30-jähriges Bestehen. Sie tun das mit einem Festkonzert am 12. Oktober 2019 im Neuhaussaal. Unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Chin-Chao Lin werden die Philharmoniker spielen und Künstler des Stadttheaters auftreten. Karten gibt es ab 1. Juli 2019 an der Theaterkasse.

      Viele ehemalige Mitglieder des Ensembles haben ihr Kommen bereits zugesichert. Sie haben eben nicht vergessen, wie warm sie in der Stadt von den Theaterfreunden empfangen worden waren. (ssm)

       


       

      Die „Nachgefragt“-Reihe

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