
Nachgefragt | Die Baumpaten und das ökologische Bewusstsein der Stadtzeitung
Anmut kontra Kettensäge: Baumpatin Rebecca Daniel schützt „ihren“ Baum vor dem RKK-Monster.
Die Stadtzeitung trug auch immer eines in ihrem Herzen: die Liebe zu Regensburg. Die Schönheit dieser einzigartigen Stadt gilt es zu bewahren. Deshalb scheute sie auch nicht die Auseinandersetzung mit der Stadtspitze, griff sie an, als sie den Donaumarkt mit dem Museumsklotz noch hässlicher machte als er als Parkplatz war oder als sie die Steinerne Brücke verschandelte. Richtig ernst wurde es aber, als die Stadt die Bürger übertölpeln und ihnen die Stadthalle als Regensburger Kultur- und Kongresszentrum am Ernst-Reuter-Platz aufs Auge drücken wollte.
Doch die Regensburger Stadtzeitung sah die Fürstenallee und die dazugehörigen Bäume als absolut schützenswert an. Dieser Eingriff in den Alleengürtel wäre ein absoluter Sündenfall. Und sie war mit ihrer Haltung nicht allein, das von der Rathaus-Mehrheit so locker in Kauf genommene Umholzen sorgte auch im bürgerlichen Lager für Aufschrei aus dem eher konservativen Lager: Prof. Egon Greipl (70), langjähriger Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege und ehemaliger Kulturreferent der Stadt Regensburg, sprach von einem „Anschlag auf das Stadtbild“, Dr. Peter Morsbach, Chef der Altstadtfreunde und Hochschullehrer für Denkmalpflege und Denkmalkunde, vom „völligen Unsinn, weil die Stadt eine Halle dieser Kapazität so gut wie nie braucht. Ein absolutes Unding!“
Die Stadtzeitung beließ es natürlich nicht beim stillen Protest. Sie veröffentlichte einen Artikel, den das Bündnis gegen das RKK am Keplerareal auch auf seine Internetseite stellte und der mit über 200.000 Klicks der meistaufgerufene auf der Internetseite der Stadtzeitung werden sollte. Und sie suchte in ihrer Ausgabe vom Juli 2018 erstmals symbolisch Paten für die vom Abholzen bedrohten Bäume am Durchgang zwischen Ernst-Reuter-Platz und Albertstraße und zwischen den Bushaltestellen und dem Keplerbau entlang der Albertstraße. Regensburger und Regensburgerinnen, die Verantwortung für einen dieser rund 50 Bäume übernehmen und dafür sorgen wollen, dass er erhalten bleibt. Auch in der Augustausgabe 2018 gab es einen ähnlichen Aufruf.
Dutzende Leser meldeten sich. Sie standen mit ihren Namen für die Bäume ein. Stellten sich fest entschlossen um ihren Baum, um ihn und die anderen um ihn herum zu schützen, sich vor sie zu stellen und sie gegen die Stadthallen- und Busbahnhof-Pläne zu verteidigen. Der jeweilige Baum wurde mit einem Schild des Baumpaten versehen – die Schilder hängen noch heute.
Die Aktion der Stadtzeitung hatte aber auch einen ganz anderen Erfolg: Bei dem vom Bündnis gegen das RKK am Keplerareal initiierten und von der Stadtzeitung unterstützten Bürgerbescheid fiel die Stadthalle mit 62 Prozent durch. Auch dank der Baumpaten der Stadtzeitung.
Das ökologische Bewusstsein lebt die Stadtzeitung auch vor. In ihrem großen Garten rund um den Firmensitz an der Margaretenstraße wird schon seit Jahren alles getan, um die Artenvielfalt zu retten. Die RSZ zeigte ein ökologisches Gewissen, lange bevor das zum Mainstream wurde: Auf ihrer Wiese darf alles blühen, in den Hecken gibt es Totholzstapel. Wurden die Mitarbeiter früher schon mal gefragt, ob sich die RSZ keinen Gärtner leisten könne, ist spätestens seit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ klar geworden, welcher Geist im Garten der Stadtzeitung herrscht. (ssm)
Die „Nachgefragt“-Reihe
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- gepostet am: Donnerstag, 01. August 2019