Jubiläum | Der Veranstaltungsservice: Alles begann mit dem Bürgerfest

Jubiläum | Der Veranstaltungsservice: Alles begann mit dem Bürgerfest

Peter Kittel 1997: Erstmals richtete er in jenem Jahr das komplette Bürgerfest aus.

 

Papstbesuche, Romantischer Weihnachtsmarkt, Maiandacht, Strudelrennen oder Presseball: All diese Höhepunkte des Regensburger Gesellschaftslebens werden oder wurden vom 1997 gegründeten Veranstaltungsservice ausgerichtet. Dessen Ursprünge reichen aber viel weiter zurück.

- Anzeige -
1992 hatte sich die Stadtzeitung nach acht Jahren in der bunten Medienwelt Regensburgs behauptet. In der gab es die Tageszeitung, die Woche, ein Anzeigenblatt, zwei Radiosender, das regionale Fernsehen, zwei Stadtmagazine. Stadtzeitungsverleger Peter Kittel befand es an der Zeit, sein Blatt angemessen zu präsentieren. Das geschieht am besten während einer positiv behafteten Veranstaltung, dachte sich der damals 33-Jährige, den die „Woche“ Ende der 80-er Jahre als „pfiffiges Bürschchen“ bezeichnete.

Schritt 1: Test-Auftritt

Die beliebteste Veranstaltung der Stadt gab es seit 1973 alle zwei Jahre: das Bürgerfest. Kittel nutzte es, um sich und sein Medium im Bewusstsein der Regensburger zu verankern. Am Fischmarkt hatte er 1992 einen Stand, es gab Postkarten mit dem sich herabbeugenden Dommännchen, das noch heute seine Einladungen zu seinen Festen ziert. Dazu Buttons und Informationen über die Stadtzeitung.

Der Auftritt sorgte für einen Imagegewinn und mehr Popularität. Gleichzeitig aber war Kittel während der drei Tage immer wieder durch die Stände geschlendert und dachte sich: „Das kann ich besser.“

Schritt 2: Rockzipfel

1995 bewarb sich der Jung-Unternehmer wieder für das Bürgerfest. Diesmal wollte er aber den Grieser Spitz in Eigenregie übernehmen. Im Klartext: Keine finanzielle Belastung für die Stadt, dafür lässt die ihm freie Hand bei Gestaltung und Vermarktung des Areals zwischen Wassergasse und Naherholungsgebiet. In der Bewerbung nannte er seine Zugpferde: „Sacco & Mancetti“ und „Luis Trinkers Höhenrausch“.

Die Stadt ging auf den Deal ein, was für unterschiedliche Bewertungen sorgte. Die Bürgerfest-Urväter Gerhard Sandner und Klaus Caspers (unterstützt vom von der Stadt subventionierten Alte-Mälzerei-Geschäftsführer Joachim Wolbergs) warnten vor der Kommerzialisierung des Fest-Gedankens.

Ein anderer Impresario zeigte sich begeistert: Günter Schießl, Initiator des sagenumwobenen „Woche-Festivals“ im Villapark, begrüßte die Initiative Kittels ausdrücklich, die Stadt zu entlasten und auf eigenes Risiko einen Teilbereich des Bürgerfestes zu übernehmen.

Das Rathaus war damals in Hand der SPD. Doch selbst Kulturchef Peter Hofmarksrichter und die „rote“ Christa Meier waren von dem schlüssigen Konzept überzeugt. Kittel durfte also rocken – und die Regensburger rockten mit. Schließlich gab es am Rockzipfel das beste Musikprogramm der drei Tage.

- Anzeige -

Schritt 3: 850 Jahre Steinerne Brücke

Regensburgs Wahrzeichen Nummer 1 feierte 1996 850. Geburtstag. Nach elf Jahren Bauzeit war die Steinerne Brücke 1146 fertig geworden. Deshalb wurde 1996 Brückenfest gefeiert.

Nach seinen Erfahrungen des Vorjahres bewarb sich Peter Kittel mit seiner Stadtzeitung wieder um den Rockzipfel. Nach ihren Erfahrungen des Vorjahres gab ihm die Stadt das Areal gerne.

Es sollte der Durchbruch für den aufstrebenden Veranstaltungsmanager werden: 25.000 Besucher pilgerten an den Grieser Spitz – bei weitem nicht nur die klassische Zielgruppe der 16- bis 40-Jährigen. „Es war eine Mischung aus allen Alters- und Bevölkerungsgruppen“, berichtete die Mittelbayerische Zeitung.

Freilich hatte Kittel wieder auf Stimmungsgranaten gesetzt. Neben den „Saccos“ und „Luis Trinkers“ kamen auch „Subway to Sally“ eigens aus Berlin.

11 Sabine Schlosser (heute Bäumler): Bürgerfest-Fee Nr. 1.

Schritt 4: Dann gings los

Kittel war Gewinner des Brückenfestes. Ihm war sein Part gelungen, das wusste er auch selbst. Und sagte sich: „Warum eigentlich nicht das große Ganze?“ Erneut feilte er an einem Konzept. Das war schlüssig: Das Bürgerfest hatte die Stadt immer 500.000 Mark gekostet. Kittel will die Hälfte als Zuschuss und regelt den kompletten Festbetrieb selbst.

Die Stadt konnte nicht widerstehen. Kittel gründete die „Veranstaltungsservice Regensburg GbR“. Mit zwei Partnern: Mobile e. V. , dem Verein, der vormals das Festival am Sarchinger Weiher organisiert hatte (mit einem unvergesslichen Auftritt von ZZ Top). Und der Donau-Eventmarketing GmbH, einer MZ-Tochter. Er bekam den Zuschlag.

11 Daniela Nützel (heute Stigler): Bürgerfest-Fee Nr. 2.

Schritt 5: In die Vollen!

Im alten Personalverwaltungsgebäude der Mittelbayerischen Zeitung war der Veranstaltungsservice angesiedelt, die Stadtzeitung bezog Räume im gleichen Haus. Zur Organisation des Bürgerfestes zog sich Peter Kittel zwei Power-Frauen an Land: Sabine Schlosser, ungemein agile Marktredwitzerin und Daniela Nützel, nicht minder umtriebiger Lockenkopf aus Grünthal. Dem Charme dieses Duos konnte niemand widerstehen.

Sie planten und machten, schufteten und überzeugten. Sorgten für Genehmigungen, machten Schwieriges leichter. Standen in der Kritik derjenigen, die auch gerne am Fest partizipiert hätten. Dabei reichte ihnen Kittel die Hand, band die Freien Initiativen ein. Das Fest wurde trotz miesem Wetter ein großer Erfolg. Der Grundstein für den Veranstaltungsservice war gelegt. (ssm)

 


Die „Nachgefragt“-Reihe

Magazin weitere Artikel

Nachgefragt | Raser in der Maxstraße

Nachgefragt | Raser in der Maxstraße

Die Maximilianstraße in Regensburg hat sich im Laufe der letzten Monate zu einem Drogenhotspot entwickelt. Zu ihnen gesellen sich seit neuestem BMW-Raser.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Müllghetto Dieselstraße – Wir ziehen Bilanz

Nachgefragt | Müllghetto Dieselstraße – Wir ziehen Bilanz

Seit mehr als fünf Jahren schon weisen wir auf die Müllsituation in der Regensburger Dieselstraße hin.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Linke Gruppen sabotieren Bezahlkartenprojekt

Nachgefragt | Linke Gruppen sabotieren Bezahlkartenprojekt

Mitte 2024 wurde die Bezahlkarte für Asylbewerber eingeführt. Hat das gut geklappt?

>> weiterlesen

Friedlicher Tag des Bieres

Friedlicher Tag des Bieres

Bier ist ein sehr lebendiges Lebensmittel. Das wurde beim Tag des Bieres am Regensburger Haidplatz bereits beim Anzapfen klar. Beide Schirmherrinnen – die damals noch amtierende Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Landrätin Tanja Schweiger – kämpften leicht mit den Fässern und dem Zapfzeug.

>> weiterlesen

Aus bayerischen Polizeiberichten | Aggressiver Tunesier klaut am Regensburger Bahnhof

Aus bayerischen Polizeiberichten | Aggressiver Tunesier klaut am Regensburger Bahnhof

Am Mittwoch hat ein alkoholisierter 26-Jähriger sich den Maßnahmen einer Bundespolizeistreife widersetzt und diese beleidigt.

>> weiterlesen

Ehemaliges Porschezentrum wird EDEKA

Ehemaliges Porschezentrum wird EDEKA

Wo bis vor zwei Jahren noch hochwertige Sportwagen aus deutscher Schmiede ausgestellt und verkauft wurden, wird man ab Dezember ein umfassendes Sortiment von Lebensmitteln und Dingen des täglichen Lebens vorfinden.

>> weiterlesen

Aus bayerischen Polizeiberichten | Regensburg: Betrunkener Deutscher belästigt zwei Frauen im Zug und wird gewalttätig

Aus bayerischen Polizeiberichten | Regensburg: Betrunkener Deutscher belästigt zwei Frauen im Zug und wird gewalttätig

Am Donnerstag hat ein 28-jähriger Deutscher im Regionalexpress von Landshut nach Regensburg zwei Frauen belästigt. Dann schlug er einen Helfer wird mit der Faust ins Gesicht.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Linksradikalismus in Regensburg – Die unterschätzte Gefahr

Nachgefragt | Linksradikalismus in Regensburg – Die unterschätzte Gefahr

Regensburg wird 18 Mal im Verfassungsschutzbericht genannt. Linksextremistische und salafistische Verfassungsfeinde bilden die Mehrheit.

>> weiterlesen

Aus bayerischen Polizeiberichten | Regensburg: Unbekannte beschmieren Zug

Aus bayerischen Polizeiberichten | Regensburg: Unbekannte beschmieren Zug

Am Montag wurde der Bundespolizei ein Graffiti an einem abgestellten Zug mitgeteilt.

>> weiterlesen

© Regensburger Stadtzeitung