Flächenfraß in Regensburg | Ist zerstörte Natur zu ersetzen?

Flächenfraß in Regensburg | Ist zerstörte Natur zu ersetzen?

Ersatzpflanzungen für gefällte Bäume – ökologisch sinnvoll oder behörlicher Taschenspielertrick? (Symbolfoto)

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Die Devise der Stadt: Baum hier fällen, Baum da pflanzen. Ist das ökologisch? Teil III des Dreiteilers „Flächenfraß in Regensburg“.

Immer mehr Biotope fallen dem Flächenfraß der Stadt Regensburg zum Opfer. Bäume werden gefällt. Die Versiegelung des Stadtgebietes schreitet voran. Gemäß dem Leitfaden „Bauen im Einklang mit Natur und Landschaft“ des Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen wird Ersatz für die zerstörte Natur geschaffen. Neue Bäume hier, Flächenentsiegelung da. Wird die Natur einfach nur in die Randgebiete der Stadt Regensburg verlegt? Sind die Ersatzmaßnahmen klimatechnisch ausreichend? Wir haben nachgefragt.

Wir wollen von der Stadt Regensburg wissen, wie viele Flächen in den letzten drei Jahren in Regensburg ver- und entsiegelt wurden. Man antwortet uns: „Die Stadt erhebt keine Daten zur Versiegelung. Ggfs. kann das Bay. Landesamt für Statistik dazu Daten liefern.“ Also fragen wir dort nach. Das Bayerische Landesamt für Statistik stellt uns genaue Daten über die Flächen und Flächennutzungsarten der Stadt Regensburg zur Verfügung, jedoch schreibt man uns: „Unsere Auswertungen wie auch die zugrunde liegenden Daten lassen keine Rückschlüsse auf Anteile ver- bzw. entsiegelter Flächen und entsprechende Flächen zu.“

Versiegelung einer Grünfläche: Am Ostbahnhof in Regensburg soll ein Containerdepot entstehen.
© lnw
Glimpflicher geht es beim geplanten „Sportpark Ost“ zu: Hier baut man größtenteils um die Biotope herum.
© lnw

Wie steht es um Baumfällungen in Regensburg und deren Ersatz? Die Stadt Regensburg gibt an: „2019 wurden 289 Bäume gefällt und 607 als Ersatz gepflanzt, 2020 wurden 324 Bäume gefällt und 636 als Ersatz gepflanzt, 2021 wurden 341 Bäume gefällt und 441 als Ersatz gepflanzt.“ Das sieht auf den ersten Blick ganz gut aus. Aber wie steht es um die Qualität der Ersatzbäume? Wie alt müssen sie sein? Welchen Stammumfang müssen sie haben? Wie viele Bäume müssen nachgepflanzt werden? Die Stadt antwortet uns: Der Stamm werde in einem Meter Höhe gemessen. Für einen Stammumfang von 101–130 cm müssten zwei Bäume als Ersatz gepflanzt werden, für einen Stammumfang für 131–170 cm drei Bäume, für einen Stammumfang von 171–210 vier Bäume usw. Die Ersatzpflanzungen müssten drei oder vier Mal verschult worden sein (sind also mehrere Jahre alt). Der Stammumfang solle je nach Wuchsordnung etwa 14–20 cm betragen. Das sind zwar keine Setzlinge mehr, aber ein 60 Jahre alter Baum ist nicht durch Neupflanzungen mit so geringem Stammumfang zu ersetzen. Oder?

11 Raimund Schoberer, Vorsitzender des Bund Naturschutz, Kreisgruppe Regensburg. © Tina Dorner

Wir fragen Raimund Schoberer, den Vorsitzenden der Kreisgruppe Regensburg des Bund Naturschutz, wie er die Ausgleichsmaßnahmen der Stadt beurteilt. Er schreibt: „Baum ist nicht gleich Baum: Groß gegen klein, Stadtzentrum gegen Außenbereich. Reine Zahlen helfen nicht weiter. Zentral wichtig ist: Welchen Wurzelraum bekommt der neue Baum? Kann er überhaupt groß werden? Bei vielen Projekten ist der Ausgleich keine adäquate Lösung. Die Lilienthalstraße ist der Worst Case. Da will man einen kleinen Stadtwald abholzen. Auch bei den Schlämmteichen sehen wir zu, dass es nicht so weit kommt. Es gibt einige Ecken, für die es wert ist zu kämpfen. Auch das geplante Containerdepot am Ostbahnhof ist eins von den Projekten, gegen die wir uns vehement stellen.“

Raimund Schoberer fährt fort: „Grundsätzlich haben wird eine überbordende Verdichtung der Stadt. Es wurden in den letzten rund 10 Jahren alleine über 100.000 m² amtlich kartierte Biotopflächen im zentralen Stadtbereich überbaut bzw. vernichtet und weitere 50.000 m² sollen folgen. Die Ausgleichsflächen sind i. d. R. am Stadtrand bzw. sogar im Landkreis. Mit den neuen Baugebieten und der Nachverdichtung sind viele Grün- und Klimaflächen verloren gegangen und stehen auch aktuell weiterhin im Feuer. Vor dem Hintergrund der sich gerade auch in Regensburg abzeichnenden dramatischen und lebensbedrohlichen Auswirkungen des Klimawandels ist der Erhalt von Bäumen und Klimaflächen zentral wichtig und dennoch nicht ansatzweise im Stadtrat und der Stadtverwaltung angekommen. Es braucht hier einen sofortigen Stopp jeglichen Grünverlustes und, analog zu anderen Städten, eines mutigen Konzepts für Entsiegelung und Grünflächen und neue Bäume, Alleen und Stadtparks, die den Namen verdienen. Wir brauchen grüne und blaue Infrastruktur im Sinne einer ‚Schwammstadt‘.“

4Grafik: Diese Biotope in Regensburg wurden seit 2007 zerstört oder sollen noch zerstört werden.
© Bund Naturschutz Regensburg

Die Flächenversiegelung nimmt im Klimawandel eine relevante Negativrolle ein. Die Stadt Regensburg muss umdenken. Aber nicht nur der Stadtrat und die Verwaltung, sondern auch der Bürger. Der einfachste Weg, ökologisch zu wirken, beginnt im eigenen Garten. Ökologische Barbareien wie Steinschüttungen und Steingärten sind leider ein alltäglicher Anblick. Warum nicht einfach mal den Garten sprießen lassen und einen Lebensraum für Bienen und Insekten schaffen? Das spart Zeit und ist gut für die Umwelt. Wie stemmt sich der Regensburger Bürger gegen den Klimawandel? Einsendungen aller kleinen, privaten Klimaschutz-Ideen unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder über das Kontaktformular, Betreff: Klimaschutz. Wir bleiben dran! (lnw)


 

Zu Teil I der Serie „Flächenfraß in Regensburg“: „Containerdepot der Bahn sorgt für Protest“

 

Zu Teil II der Serie „Flächenfraß in Regensburg“: „Baumkiller ‚Sportpark Ost?“

 


Die „Nachgefragt“-Reihe

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© Regensburger Stadtzeitung