Nachgefragt | Kriminelle Schmierer verschandeln Welterbe

Nachgefragt | Kriminelle Schmierer verschandeln Welterbe

Bernhard Lausch: „Die Wand hier ist scheiße.“ Timo Brunne: „Sowas wie hier passt halt gar nicht.“

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Illegale Schmierereien in der Regensburger Altstadt. Schon seit Jahrzehnten zeigt sich Regensburg bei der Bekämpfung dieses Problems überfordert. Wer aber stellt sich den Schmierern in den Weg? Wir haben nachgefragt.

Hunderttausende, gar Millionen von Touristen besuchen alljährlich Regensburg. Von der Steinernen Brücke aus erwartet sie ein gewaltiger Anblick: Das Welterbe Regensburg mit seinem Dom, den mittelalterlichen Häuserfassaden und – den Graffitischmierereien an der Donau. Gerade da, wo Regensburg glänzen sollte, nämlich an der Steinernen Brücke, droht die Stadt hässlich zu werden: Kriminelle Schmierer verschandeln Hausfassaden, Brücken und Kaimauern gleichermaßen und somit das Welterbe Regensburg.

Es drohen hohe Geldstrafen und Haft bis zu zwei Jahren

11 Polizeioberkommissar Michael Duschl. © PP Oberpfalz

Michael Duschl, Polizeioberkommissar im Polizeipräsidium Oberpfalz, klärt über die Gesetzeslage auf: Laut §303 StGB sind Graffitis Sachbeschädigung. Michael Duschl zitiert: „Wer rechtswidrig eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Dann erklärt er: „Somit steht es unter Strafe, wenn ‚unbefugt das Erscheinungsbild einer fremden Sache nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert‘ wird. Beispielsweise sind Schriftzüge mit Kreide oder leicht ablösbare Sticker in der Regel hiervon nicht erfasst. Sollten durch die Tathandlung auch andere Straftatbestände erfüllt worden sein, werden diese zusammen zur Anzeige gebracht (Bsp. Sprayen unter Verwendung der SS-Runen zusätzlich wegen § 86a StGB: Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen). Zu beachten ist hierbei, dass bei jeder Tat bzw. Tathandlung jeweils das Delikt mit der höchsten Strafandrohung zur PKS [Polizeiliche Kriminalstatistik, Anm. d. Red.] gemeldet wird.“

Wer sind die kriminellen Schmierer?

Wir wollen wissen: Wer sprayt am meisten? Bei den Recherchen fällt immer wieder auf, dass die linksradikale Splittergruppe Antifa in bester Tradition zu der gefürchteten nationalsozialistischen Schläger- und Schmierertruppe SA öffentliches und privates Eigentum beschmiert. Der Polizeioberkommissar schreibt: „Bezüglich der Täter lässt sich sagen, dass in vielen Fällen Jugendliche, aber auch Personen mit politisch motiviertem Hintergrund in Frage kommen. Die Motivlage für das Sprühen von Graffiti reicht hierbei von politischen Motiven, Fanzugehörigkeiten, Zerstörungswut bis hin zu Ausdruck von Kunst.“

  • Überall beschmiert die linksradikale Splittergruppe Antifa öffentliches und privates Eigentum. Selbst die Steinernen Brücke bleibt nicht verschont.

    © Lukas N. Wuttke
  • Überall beschmiert die linksradikale Splittergruppe Antifa öffentliches und privates Eigentum. Selbst die Steinernen Brücke bleibt nicht verschont.

    © Lukas N. Wuttke
  • Überall beschmiert die linksradikale Splittergruppe Antifa öffentliches und privates Eigentum. Selbst die Steinernen Brücke bleibt nicht verschont.

    © Lukas N. Wuttke

Nur jeder vierte Schmierer wird dingfest gemacht

Und wie hoch ist der durch Schmierer verursachte Schaden in Regensburg? Michael Duschl nennt statistische Daten: 2020 habe sich der Sachschaden in Regensburg auf 162.673 € belaufen, 2021 auf 150.131 €. 2020 seien 192 Fälle zur Anzeige gekommen, davon seien 26 aufgeklärt und 21 Tatverdächtige ermittelt worden – das entspricht einer Aufklärungsquote von 13,5 %. 2021 habe es 129 Anzeigen gegeben, wovon 32 Fälle aufgeklärt und 20 Tatverdächtige ermittelt worden seien – die Aufklärungsquote betrug 26,2 %, jeder Vierte wird erwischt.

Was unternimmt die Stadt?

Der Schaden durch illegale Schmierereien ist groß, die Aufklärungsrate eher gering. Und gerade an der publikumswirksamen Donaupromenade trägt die Welterbestadt Regensburg das dümmliche Gekraksel krimineller Schmierer zur Schau. Wenigstens kann der Welterbetitel nicht durch Schmierereien aberkannt werden, wie uns die Welterbekoordination der Stadt berichtet. Die Koordination schreibt: „Der Stadt ist kein Fall bekannt, in denen 'Schmierereien' zu Diskussionen mit dem Welterbekomitee oder ICOMOS geführt haben.“ Aber statt einfach aktiv zu werden, ruht sich die Stadt lieber auf dem Welterbetitel aus und drangsaliert Wirte unter massivem Ordnungsamt-Einsatz wegen Schirmen und Freisitzen. Ist der Schirmaufdruck welterbeverträglich? Entsprechen die Freisitze dem Denkmalschutz? Auf der Jahninsel hat die Stadt auch ihre Kümmerer. Warum also nicht auch um die illegalen Schmierereien kümmern, um dem Welterbetitel gerecht zu werden?

 

2Die kriminellen Schmierer machen auch vor Wohnhäusern nicht Halt.
© Lukas N. Wuttke

Setzen auf die Polizei

Die Pressestelle der Stadt Regensburg antwortet kleinlaut: „Leider kann die Stadt dagegen kaum etwas tun: Bei Sachbeschädigungen an städtischen Liegenschaften wird Anzeige erstattet. Wenn möglich, wird bei Baumaßnahmen zudem darauf geachtet, Oberflächen mit einem permanenten Anti-Graffiti-Schutz zu versehen. Illegale Graffitis zu entfernen, ist kostenintensiv: Für die Beseitigung von Graffitis an Brücken, Lärmschutzwänden und Stützmauern fallen für die Stadt Regensburg pro Jahr Kosten in Höhe von circa 20.000 Euro an. Zur Beseitigung und somit zu den Kosten gehört auch, dass die Flächen nach Entfernung der Farbschichten wiederum oberflächlich geschützt werden müssen. Für die Entfernung von Graffiti an kommunalen Liegenschaften (Hochbau) sind weitere circa 15.000 Euro pro Jahr als Durchschnittwert anzusetzen. Die jährlichen Aufwendungen unterliegen dabei aber starken Schwankungen. Illegale Schmierereien und Beklebungen werden von der Polizei strafrechtlich verfolgt. Selbstverständlich unterstützt hier auch der Kommunale Ordnungsservice (KOS). An privaten Liegenschaften entfernt die Kommune keine Schmierereien.“

1Unter Brücken findet man mit die meisten Schmierereien.
Lukas N. Wuttke

Legale Flächen für Sprüher

Aber was tut die Stadt konkret zur Prävention? Die Pressestelle antwortet: Es gebe „präventive Aktionen beim Amt für kommunale Jugendarbeit: Seit den 90er-Jahren gibt es offizielle Flächen in Regensburg, an denen legal gesprayt werden darf. An folgenden Plätzen darf in Regensburg legal gesprayt werden: 24-Stunden-Galerie hinter dem Dultplatz, Innenfläche der Schallschutzwände des Fußballplatzes Haydnstraße, Wände am Spielplatz Roter Brach Weg, Wand am Spielplatz Rudolf-Schlichtinger-Straße, Wand am Spielplatz Wernerwerkstraße, Wand am Spielplatz Hedwigstraße, Stahlbetonwand des Hochwasserschutzes für das Ostenviertel unterhalb der Nibelungenbrücke. Weitere Flächen nach Rücksprache gibt es bei den folgenden Jugendzentren: JUZ Utopia Burgweinting, JUZ Arena Unterislingerweg, JUZ Königswiesen, JUZ Kontrast Vilshofener Straße, JUZ Fantasy Taunusstraße. Es werden in Jugendzentren auch immer ‚Graffitiworkshops‘ angeboten, damit die Jugendlichen lernen, dass Graffiti nichts mit illegalen Schmierereien zu tun hat, sondern eine Kunstform ist, die auch mit Können zu tun hat. Geschützte Fläche (nur für Schüler o. Ä.) gibt es unter anderem in der Otto-Schwerdt-Schule, am Von-Müller-Gymnasium und im JUZ Hohes Kreuz. Beim Jugend- und Begegnungszentrum Guericke gibt es im Zuge der Gestaltung des Außenbereiches eine neue Wand und das Objekt ‚Kultur am Bau‘ wird ebenfalls eine Möglichkeit des Sprühens bieten. Außerdem werden beim Neubau des JUZ Königswiesen auf dem Außengelände mehrere Graffitiwände entstehen. An der Franz-Josef-Str. Allee / Ecke Prüller Weg / Autobahnausfahrt Burgweinting wird es künftig einen neuen Spielplatz mit einer Graffitiwand geben.“

Privatinitiative erwägt „Kopfgeld“ für Ergreifung von Schmierern

Der Stadt sind nach eigenen Aussagen gewissermaßen die Hände gebunden. Die Täter kann sie nicht erwischen. Und an privaten Liegenschaften werden keine Schmierereien entfernt. Um Brücken, Lärmschutzwände und Stützmauern kümmere sich die Stadt, wie sie behauptet. Aber gerade unter Brücken findet man mitunter die meisten Schmierereien. Ob die Freiflächen da Abhilfe schaffen? Vielleicht müssen kreativere Ideen her. Eine private Initiative (Name der Redaktion bekannt) erwägt, eine Art sponsorenfinanzierten Kopfgeldfond zu eröffnen, um die Straftäter in flagranti zu erwischen. Geld für Hinweise als Lösung des Schmiererproblems? Oder gibt es noch bessere Ideen? Wir werden berichten. (lnw)

 


 

  • Talentfreier Pöbel verunstalten Regensburg mit seinem dummen Gekritzel.

    © Lukas N. Wuttke
  • Talentfreier Pöbel verunstalten Regensburg mit seinem dummen Gekritzel.

    © Lukas N. Wuttke
  • Talentfreier Pöbel verunstalten Regensburg mit seinem dummen Gekritzel.

    © Lukas N. Wuttke
  • Talentfreier Pöbel verunstalten Regensburg mit seinem dummen Gekritzel.

    © Lukas N. Wuttke
  • Talentfreier Pöbel verunstalten Regensburg mit seinem dummen Gekritzel.

    © Lukas N. Wuttke
  • Talentfreier Pöbel verunstalten Regensburg mit seinem dummen Gekritzel.

    © Lukas N. Wuttke


 

Was denken Regensburg und seine Touristen über illegale Schmierereien?

 

Tim Neitzert, 30 Jahre, Selbstständiger, Burglengenfeld.

„Gerade eben beim alten Stadler sind mir Schmierereien aufgefallen. Da ist ewig nix mehr drin und jetzt ist alles vollgeschmiert. Richtung Fischmarkt sind außerdem viele Schmierereien in den Gassen. Wenn das so wär wie in Tübingen, wärs richtig geil. Nur diese Tags, von denen wir reden, passen in keine Stadt. Für die Schmierer sollte es Sozialarbeit geben. Irgendwelche Leute, die Scheiße bauen, das wegmachen lassen. Leute, die Sachbeschädigung begehen. Tut denen allerdings nicht weh. Hohe Geldstrafen verhängen – das schmerzt am meisten. Andererseits sollte man auch mehr Flächen bieten. Allerdings sind sie dann recht schnell voll und dann brauchen die Sprayer mehr. Ist halt ne kurzfristige Lösung.“

Klaus Schneider, 79 Jahre, Rentner, Vora.

„Ich bin Tourist. Für eine Weltkulturerbestadt passt das nicht. Das sollten die, die es geschmiert haben, auch wieder entfernen, würde ich sagen. Aber die Polizei ist ja überfordert. Und anzeigen sollte man sie. Wir sind ja ein Rechtsstaat. Man muss sie juristisch belangen. Wer in Regensburg die schönen Gebäude beschädigt, sollte mal im Altenheim arbeiten, um zu sehen, wie‘s Leben ist. Aber wenn man die Leute auf frischer Tat ertappt und sie darauf anspricht, weiß man ja auch nicht, was sie dann tun.“

Fiona Homolka, 17 Jahre, Schülerin, Regenstauf.

„Die meisten Schmierereien sind mir an vielen Häusern aufgefallen, an vielen Plätzen. Auch an alten Gebäuden, was ich schade finde. Manchmal sind die Graffiti gut integriert, manchmal nicht. Graffiti ist ja auch ein Teil der Kultur. Manchmal sagen Bilder mehr als Worte. Wenn sie aber auf Privateigentum sind, find ichs schwierig – illegale Graffiti sind schwierig, auch wenn sie gut aussehen. Das steht jedenfalls sehr im Kontrast zu den mittelalterlichen Gebäuden. Es ist wichtig, dass der Eindruck erhalten bleibt. Auf der anderen Seite find ichs auch schön, wenn man das Alte mit dem Neuen vereint. Aber natürlich nur, wenn die Message stimmt und es keine Schmierereien sind. Was soll man dagegen tun? Das ist ne schwierige Frage. Wenn mans wegmacht, wird gleich wieder gesprüht. Ich fänds gut, wenn man sie wegmachen würde und schöne Graffiti drübersprühen würde.“

Timo Brunne, 21 Jahre, Student, Ihrlerstein.

„Nähe Steinerne Brücke gibts einige Schmierereien. Wenns halt wenigstens nice Tags wären! Ich mag Graffiti, aber sowas ist halt irgendwie unpassend. Wenns Freiflächen sind, die frei besprühbar sind, ist es cool einfach. Im Prinzip passen Graffiti und eine Welterbestadt schon zusammen. Aber sowas wie hier passt halt gar nicht. Graffiti als Kunst an bestimmten Flächen. Aber nicht illegal random Tags und Schmierereien. Das hier ist das beste Beispiel. Als Tourist glaub ich, würds mir aber gar nicht so auffallen. Man konzentriert sich eher auf Wasser, Brücke. Ich würde auf jeden Fall mehr Freiflächen schaffen. Aber die Schmierereien durchgehend zu entfernen, ist verschwendetes Geld. Es gibt immer wieder Sprayer. Man kanns vielleicht ein bisschen einschränken, aber das wirds immer geben. Man sollte es einfach lassen, weils Strafen nicht bringen. Illegale Sprayer werden sich nicht von ihrer Ideologie abbringen lassen. Bei Erwischen: Bußgeld. Alles andere wär mir zu hart.“

Bernhard Lausch, 62 Jahre, Angestellter, Münster.

„Ich bin als Tourist hier. Habs in Regensburg nicht erwartet. Es ist nicht schön. Ich find Graffitis cool, aber nicht gerade an historischen Häusern. An der Berliner Mauer oder an irgendwelchen Zügen, ok. Aber man kanns halt nicht überall dranballern. Die Wand hier ist scheiße. Was will mir der Künstler damit sagen? An historischen Gebäuden find ichs nicht so toll und auch die Regensburger sehen das nicht positiv, denk ich. Wie wärs mit Hinweisschildern? Keine Ahnung. Was will man mit Strafen erreichen? Vielleicht ein Areal zur Verfügung stellen, wo sich Sprayer austoben können. Verbote bringen nix, Kameras sind scheiße und alle 14 Tage wegmachen, kostet. Vielleicht Aufklärung? Projekte? Vielleicht den Sprayern Dosen kaufen und sagen: Ihr sprüht nur hier!“

 

0 TitelBernhard Lausch: „Die Wand hier ist scheiße.“ Timo Brunne: „Sowas wie hier passt halt gar nicht.“
© Lukas N. Wuttke

 


Die „Nachgefragt“-Reihe

  • gepostet am: Freitag, 29. Juli 2022

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